Schöne und harte Texte von Schülerinnen und Schülern

Poetry Slam

...über Natur, Liebe, Freundschaft, Abhängigkeit

Wir haben starke Talente an unserer Schule. Auch, was das Schreiben von Lyrik angeht. Hier ein paar Kostproben von verspielt bis nachdenklich. Auch schwere Kost ist dabei:

Corali 

Wenn nichts mehr da ist

 

Manchmal fühlt es sich an, als würde ein Teil von mir fehlen.

Die Leere zieht mich

laut und unbarmherzig,

und ich erinnere mich an das, was ich verloren habe –

die flüchtigen Momente,

die mich kurz vergessen ließen…

Ich sehne mich nach einem Funken,

einem Rausch,

etwas, das mich weg trägt von der Schwere hier –

doch: da ist nichts

 außer dem Verlangen,

das brennt

 in mir

still und unerbittlich

wie ein Schatten

der niemals verschwindet…

Und während ich warte

 versuche ich

mich selbst zu halten

meine Hände fest um das, was bleibt, zu schließen.

Es ist schwer, die Leere zu ertragen –

Doch ich versuche, hier zu stehen

auch

wenn alles in mir schreit

nach mehr…




Corali

Achilles

 

Felix sagte einmal: „Danke für die Superkraft, dass du mich zum Achilles machst…“

In diesem Satz liegt mehr Wahrheit, als wir beide damals fassen konnten.

Denn plötzlich war jede deiner Berührungen ein Blitzschlag, jedes deiner Worte ein Pfeil –

Und ich stand da – unverwundbar für die Welt, aber verletzbar nur für dich.

Du hast mich stark gemacht, aber nie unzerbrechlich.

Vielleicht werde ich irgendwann versteh‘n,

dass man nicht Achilles sein muß, um geliebt zu werden.

Doch bis dahin dank ich dir für diese Superkraft!

Corali

Warum?

 

„Warum rufst du mich nur an, wenn du high bist?“

frag ich mit tränenden Augen und zitternder Stimme.

Du kommst immer nur zu mir

wenn die Welt dir mal wieder zu laut wird.

Du brauchst jemanden,

der still ist

wie Wasser

wenn du im Feuer stehst.

Du kennst mich nur im Rausch -

und nüchtern weißt du nicht mal

meinen Namen

Nüchtern bin ich eine Fremde

für dich

Und trotzdem

gehe ich dran – immer

und immer wieder

Weil ein Teil von mir hofft,

dass du mich irgendwann anrufst

ohne dass deine Pupillen flackern

und du diesmal vielleicht DU bist

Bitte sag mir…

„Warum rufst du mich nur an, wenn du high bist????“


Corali

Ich war süchtig

Ich war süchtig

- nicht nur nach dem Stoff

allein sondern nach dem Gefühl nichts mehr zu fühlen.


Ich war süchtig

nach dem Schweben

nach der Lüge, dass es mir gut geht

Nach den Sekunden, in denen die Welt still war.


Jede Line war ein Versprechen,

jede Pille ein Gebet,

jede Flasche ein Vergessen

und jede Nacht ein Versuch,

 nicht mehr ich selbst zu sein.


Ich tanzte auf den Resten meiner Seele,

lachend, taumelnd, fallend.

So lange, bis selbst der Absturz nicht mehr schockte

Denn irgendwann wird Schmerz Routine

Und zwischen Rausch und Reue

habe ich vergessen,

wer ich war,

bevor ich nur noch brauchte.