Eine Selbstverständlichkeit, nicht für alle von uns:
Kinder suchen ein Zuhause
eine Betroffene berichtet
Jedes Jahr suchen in Deutschland mehrere Zehntausend Kinder und Jugendliche ein Zuhause. Es gibt 156 Kinderheime in Deutschland. Rund 3.500 bis 3.800 Kinder finden jedes Jahr eine Familie. Nach fünf Jahren war ich 2019 endlich eines dieser Kinder.
Ich war fünf Jahre lang in einem Kinderheim. Heute bin ich 13. Als ich ein halbes Jahr alt war, wurde ich aus meinem Zuhause geholt. Meine Haut war gelb, und man konnte meine Iris und meine Pupille kaum noch sehen. Ich war sehr unterernährt. Ich hatte sogar angefangen, die Wand abzukratzen und davon zu essen. Ich war kurz davor zu sterben.
Als ich sechs Monate alt war, holte mich das Jugendamt aus meinem Zuhause. Zwei Tage lang wurde ich aufgepäppelt. Im Kinderheim ging es mir aber nicht wirklich besser. Ich durfte zwar alle Filme schauen – das klingt vielleicht cool, aber ich war erst ein Jahr alt und sah Krimis und Filme ab 18. Nachts weinte ich im Schlaf und habe so lange gebrochen, bis mich jemand weckte. Morgens musste ich das Bett der Betreuerin machen. Tagsüber wurde an meinen Haaren gezogen.
Nach fünf Jahren kamen ein Mann und eine Frau durch die Tür: meine Eltern. Endlich durfte ich in eine Familie.

Erst mit 13 Jahren habe ich alles erfahren. Für Kinder ist es sehr wichtig, sich sicher und geborgen zu fühlen. Sie sind froh, wenn eine Person, der sie vertrauen, in ihrer Nähe ist. Manche Kinder versuchen, schlimme Erlebnisse zu verdrängen. Eine Familie sollte mit den Kindern durch dick und dünn gehen. Kinder fühlen sich sicher, wenn sie wissen, dass jemand für sie da ist. Das alles habe ich von meiner Familie bekommen und mein kleineres Ich hätte sich das niemals erträumen können.
